Nun, was die Taten und das Wirken der katholischen Kirche im Mittelalter betrifft, hast du tatsächlich recht. Vielfach wurde über die Jahrzehnte hinweg ein völlig verzerrtes Bild der mittelalterlichen Kirche selbst im schulischen Bereich schon geprägt und unwidersprochen tradiert, sodaß wir heute mit einem Bild leben, in dem sich die Kirche zu jener Zeit als machtgieriges und mordlüsternes Monstrum darstellt. Wenn man heute den Durschnittsbürger über die katholische Kirche des Mittelalters befragt, so bekommt man zu 99,9% die Antwort: "Die haben damals hunderttausende Hexen verbrennen lassen und sind nicht besser als die Nazis!" Nur stimmt das leider nicht:
Zitat Wikipedia:
Die staatliche spanische Inquisition lehnte ausdrücklich Hexenverfolgung ab.
Und weiter:
Zitat Wikipedia:
Die eigentliche europäische Hexenverfolgung fand in der Frühen Neuzeit vor allem in Mitteleuropa aufgrund von Anklagen gegenüber vermeintlichen Anhängern der sogenannten Hexenlehre statt. Bei der europäischen Hexenverfolgung von 1450-1750 (Höhepunkt 1550-1650) handelte es sich nur zum Teil um eine kirchliche Aktion gegen „Ketzer“, sondern in erster Linie um ein europäisches Hysterie-Phänomen bezüglich Zauberei und Hexerei, das juristisch zur Straftat der Zauberei umgesetzt wurde und zu vielen Verdächtigungen, Denunziationen, öffentlichen Massenprozessen und Hinrichtungen führte. Die tatsächliche Verfolgung geschah, im Gegensatz zur Inquisition, durch weltliche Gerichte und in sehr vielen Fällen aufgrund von Denunziationen aus der Bevölkerung.
Alles zu lesen in:
http://de.wikipedia.org/wiki/HexenprozesseInteressant ist aber, daß nach wie vor der Irrglaube, die Kirche hätte all diese abertausenden Menschen auf den Scheiterhaufen geschickt, hochgehalten wird: siehe als Beispiel den Artikel
http://www.123recht.net/Die-Geschichte-der-Hexenprozesse__a8749.htmlWenn man jedoch diesen Artikel kritisch (und auch zwischen den Zeilen) liest, dann braucht man nicht sonderlich gewieft zu sein um herauszulesen, daß der überwiegende Großteil der Hexenprozesse von
weltlichen Gerichten durchgeführt wurde - die Motive dazu hast du in deiner Antwort schon erklärt...
Interessant ist auch ein Interview mit Dr. Johannes Dillinger, Professor für neuere Geschichte an der Uni Trier und Spezialist für Hexenprozesse in Mitteleuropa:
imprimatur: Spielte die Kirche überhaupt eine Rolle bei den Hexenverfolgungen? Wie wir wissen, war es nicht die Inquisition, die die Prozesse durchführte, obwohl das bis heute zuweilen behauptet wird. Dieses Schreckgespenst wurde von der polemischen Propaganda des Kulturkampfes und später vor allem von der antikirchlichen SS-Hetze in die populäre Diskussion eingeschleust.
DILLINGER: Es ist Zeit geworden, sich von liebgewordenen Schuldgefühlen zu verabschieden. Fast alle Hexenprozesse wurden vor weltlichen Gerichten geführt.
Über die Sinnhaftigkeit von Religiosität und die verschiedenen (christlichen) Gottestheorien (warum er dieses oder jenes macht oder nicht macht) zu diskutieren, halte ich für müssig - darüber streiten schon seit Jahrtausenden Theologen, Denker und Philosophen, das werden wir hier im Forum sicher nicht klären können und würde den Rahmen dieses Threads auch eindeutig sprengen...

Aber auf den Hinweis auf das Zitat von Nietzsche antworte ich immer gerne mit einem Graffiti aus den 80er-Jahren:
Gott ist tot! NIETZSCHE
Nietzsche ist tot! GOTT
Ich setze mal voraus, du verstehst die subtile Eindeutigkeit dieser Anspielung

Aber eigentlich kommen wir völlig vom zentralen Thema dieses Threads ab - die Frage war nämlich nicht, ob es einen Gottesbegriff in dem Glauben der Bruderschaft gibt (und es gibt in meinen Augen keinen Gott in der Lehre des Kardinals), sondern welche
EHTIK dahinter steht? Wie ist GUT und wie ist BÖSE laut Bruderschaft definiert? Nach welchem Codex haben sie sich zu verhalten? Praktisches Beispiel (um nur jetzt irgendeines zu nennen): Darf eine Bruderschafter wissentlich Unschuldige töten, um einen Ketzer auszulöschen? Sprich: darf er in eine Menge ballern, in der Hoffnung auch den Ketzer zu erwischen? Und das ist jetzt nur ein willkürliches Beispiel, das tägliche Leben stellt andauernde Herausforderungen an das Gewissen und die Moral. Nur: wie sieht die bei einem Bruderschafter aus? Was sind die Grundprämissen, nach denen er/sie sein/ihr Leben ausrichtet? Die Christen haben die Bibel. Die Moslems den Koran. Die Juden die Tora. Die Buddhisten das Dharma. Und die Bruderschaft das
Book of Law - NUR WAS STEHT DA DRIN???