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Author Topic: Bauhausianismus  (Read 2209 times)
Fetzenbankert
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« on: November 05, 2006, 08:04:47 PM »

In den Regelwerken wird ja nur bedingt auf das tatsächliche Leben und die wesentlichen Unterschiede der einzelnen Konzerne eingegangen. Daher hab ich mich immer gefragt, wie wohl die Gesellschaftsstruktur und - philosophie von Bauhaus im Detail aussieht. Jetzt hab ich folgendes bei Wikipedia gefunden:

Quote
Als Reaktion auf einen im Jahre 1871 von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) organisierten Generalstreik veröffentlicht er [Friedrich Krupp] 1872 das Generalregulativ, das an alle Arbeiter ausgeteilt wird. In seinen 72 Paragraphen, die bis zum Ende der Firma als Familienunternehmen 1967 gültig blieben, werden die Rechte und Pflichten der "Kruppianer" penibel beschrieben:
Untreue und Verrat muss mit aller gesetzlichen Strenge verfolgt werden ... denn wie aus dem Samen die Frucht hervorgeht und je nach seiner Art Nahrung oder Gift, so entspringt dem Geist die Tat - Gutes oder Böses.
Die den Arbeitern auferlegten Pflichten sind streng, im Gegenzug werden jedoch umfangreiche Sozialleistungen gewährt. So können die Arbeitnehmer verbilligten Wohnraum nutzen, und sie erhalten Krankenversicherungsschutz. Erstmals in Deutschland wird zusätzlich demjenigen, der zeit seines Lebens bei Krupp beschäftigt war, eine Rente gewährt. Wird ein Arbeiter entlassen, so verliert er alle diese Privilegien. Die spätere Sozialgesetzgebung Otto von Bismarcks orientiert sich weitgehend am Kruppschen Generalregulativ.

Nun, was meint ihr dazu? Seht ihr Bauhaus ebenso? Und wie passen dann die Thralls da hinein, die ja eher als eine Art Sklaven anzusehen sind?
« Last Edit: November 08, 2006, 08:01:49 PM by Black ICE » Logged

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« Reply #1 on: November 08, 2006, 08:03:06 PM »

Diese Beschreibung paßt irgendwie zu Bauhaus aber auch zu Cybertronic Wink
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Fetzenbankert
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« Reply #2 on: November 08, 2006, 10:43:04 PM »

Es tut mir leid, aber da muss ich dir widersprechen. Bauhaus und Cybertronic kann man in keiner Weise miteinander vergleichen. Die Gesellschaftsstrukturen und vor allem die Konzernmentalität unterscheiden sich gewaltig. Eines möchte ich vorausschicken: hier geht es nicht um einzelne außergewöhnliche TIFF-Kampfmaschinen oder gesellschaftlich hochstehende Adelige, sondern um den "kleinen Mann", das winzige Rad im Gefüge der Konzerne:
Bei Cybertronic herrscht das Kollektiv. Man könnte schon fast von totalitären Strukturen a la Kommunismus sprechen. Doch ist hier nicht die Masse der Nutzniesser der Errungenschaften und der Gewinne des Systems, sondern die Aktionäre des Konzerns. Die Funktionalität steht im Vordergrund, auch beim menschlichen Material. Was nicht passt, wird passend gemacht (mittels Manipulation, Propaganda und Drogen). Das einzelne Individuum existiert hier nur noch rudimentär, jeder wird nach seinen Fähigkeiten und nicht nach seinen Wünschen eingesetzt. Im Gegenzug werden sämtliche Bedürfnisse bis ins kleinste Detail durch den Konzern gestillt, Cybertronic schafft dadurch eine "glückliche", widerspruchslose Gesellschaft. Ein mechanisiertes und klinisch durchgestyltes Utopia.
Bei Bauhaus wiederum gibt es eine klare Klassengesellschaft, in die jeder hineingeboren wird. Allein der wirtschaftliche und gesellschaftliche Stand der Eltern entscheidet schon über das zukünftige Leben jedes einzelnen. Jedoch ist es im Gegensatz zu Mishima sehr wohl möglich die Klassengrenzen zu überschreiten und so gesellschaftlich aufzusteigen: je tiefer der Stand, umso schwerer, aber prinzipiell nicht unmöglich. Um das hohe Level der Professionalität und Qualität halten zu können, basiert das Leben in Bauhaus auf sozial orientierter Marktwirtschaft - ein historisches Erbe, das ein wenig im Widerspruch zur aristokratischen Gesellschaftsform steht, aber durch das Funktionieren sich selbst bestätigt. Die Entscheidungsfreiheit jedes einzelnen Individuums ist ein zentrales Gut im Weltbild des Konzerns. Dem widerspricht aber die wirtschaftliche Fesselung des einzelnen: je tiefer unten man steht, desto weniger Rechte hat man. Einen Gleichheitsgrundsatz wie in Capitol gibt es also nicht. Und das erklärt auch das große gesellschaftliche Ungleichgewicht zwischen reich und arm, zwischen Adeligen und Thrall.
Insofern passt diese Beschreibung also nur sehr, sehr oberflächlich auf beide Konzerne; trotzdem sind sie grundverschieden. Wären wir so großzügig, würde sie genaugenommen dann auf alle Konzerne mit Ausnahme von Capitol zutreffen.
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Black ICE
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« Reply #3 on: November 11, 2006, 03:37:16 PM »

Die Beschreibung IST oberflächlich. Deshalb paßt es ja zu den beiden Konzernen. Daher muß man in einigen Dingern genauer sein bzw. genauere Definitionen finden.
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Fetzenbankert
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« Reply #4 on: November 12, 2006, 02:52:36 PM »

So ungenau ist die Beschreibung nicht. Im Generalregulativ wird impliziert, daß es eine Trennung zwischen Individuum und wertschöpfender Kraft (sprich: der Arbeiter) gibt. Lediglich die Verpflichtung des Arbeiters zu seinem Arbeitgeber wird vorgegeben, wie er/sie sich sonst verhält und sein Leben gestaltet, wird nicht bestimmt. D.h. er/sie kann sich z.B. poltisch betätigen, sofern es den Interessen und Vorstellungen des Arbeitgebers nicht diametral widerspricht. Verständlicherweise kann es nicht im Interesse des Arbeitgebers liegen, wenn sein Mitarbeiter offiziell Mitglied einer anarchistischen Zelle ist, die alle Besitzenden enteignen möchte. Ansonsten gewährt der Arbeitgeber jedoch seinen Mitarbeitern eine gewisse Freiheit und gestattet dadurch ein höchstzulässiges Maß an Individualität.
Cybertronic bildet aber hier den Kontrapunkt. Nur durch den Höchstgrad an Uniformität läßt sich auch ein 100%ige Überwachung und damit Funktionalität gewährleisten. Individulismus wäre genau das Gegenteil, was der Konzern erreichen möchte. Stell dir eine Sorte an Maschine vor, wo jede anders sein möchte als die vorhergehende. Dein PC zB: wäre zwar denkbar, aber äußerst kontraproduktiv, wenn bei deinem die Festplatte ganz woanders sitzt als bei meinem, das CD-Rom vielleicht überhaupt gleich extern liegt und der Prozessor dafür doppelt so groß ist. Dementsprechend geht das Gegenregulativ für Cybertronic nicht weit genug: der Mitarbeiter wird nicht eingebunden in den Konzern, sondern einverleibt. Er gibt sein vorheriges Leben auf (sofern er es nicht eh schon vorher verloren hat Grin) und wird komplett zu einem Bestandteil des Konzerns. Sozialleistungen brauchen nicht gewährt zu werden, da der Konzern eine eigene Infrastruktur hat, verbilligte Wohnraum gibts auch nicht, da die Mitarbeiter "in der Firma" wohnen. Und Rente gibts schon gar nicht, jeder, der nicht mehr richtig funktioniert, wird recycled.Grin
Aber eigentlich führt die ganze Diskussion schon ein wenig off topic. Hier solls eigentlich um die Thralls bzw. die Arbeiter von Bauhaus gehen. Wenn du die Firmenstrategie von Cybertronic weiterdiskutieren möchtest, dann bin ich gerne mit dabei, aber dann mach dazu vielleicht ein eigenes Thread auf. Kiss
« Last Edit: November 12, 2006, 11:19:49 PM by Fetzenbankert » Logged

Ich kann mir eine Welt vorstellen ohne Krieg, eine Welt ohne Hass. Und ich kann mir vorstellen, wie wir diese Welt angreifen, weil die Typen es niemals erwarten würden.
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« Reply #5 on: July 17, 2007, 08:05:55 PM »

Ich denke das die parallelen zum deutschen Imperialismus nicht zu leugnen sind. Meine Urgroßmutter hat noch unter dem Kaiser Wilhelm II gelebt und sie hat derartige dinge erzählt wie ich sie in den Bauhaus sourcebook lese. Es macht mich natürlich auch sehr stolz ein Bauhaus zu sein Smiley
Und ihr liegt richtig, wenn die Vergleiche von Krupp und Bauhaus konform sind, dann denke ich das das nicht zufall ist. Was die Thralls angeht, nun ich habe es als Leibeigene übersetzt. Leibeigene sind keine Sklaven ( http://de.wikipedia.org/wiki/Leibeigene )
Wie in dem Artikel ( siehe Link ) dargestellt, sind Leibeigene keine Sklaven. Es ist eher von beiderseitiger Nutzen.
Eine situation die beinnahe zum Krieg zwischen england und Preußen wurde, war das die Preußen für ihre Armee auch in Hannover rekrutierten. Da Hannover aber zum englischen königshaus zählte war es ein akt der Piraterie. Da die preußen dafür bekannt waren auch mal ein paar junge Männer in einer Kneipe betrunken zu machen und in die nächste Einheit zu verschleppen. So entbrannt ein Streit wegen sieben jungen Männer aus Hannover. Woraufhin einem preußischen Regiment der durchmarsch verwährt wurde und sie wurden festgesetzt. Erst nach freigabe der Männer entspannte sich die Lage.
Das derartige Soziale Beziehungen derart in Verruf kamen, liegt meiner Meinung nach auch daran, das es wie überall schlechte chefs gibt und das dann haarstäubende Geschichten kursierten, die bestimmte politische Element aufgriffen und in ihre Propaganda einarbeiteten. In sofern schließen die Thralls die parallelen zum einstigen Kaiserreich und Bauhaus oder Krupp nicht aus.
Es ist eher so, das in den Sourcebooks der Sachverhalt etwas verfälscht wiedergegeben wird. Was aber keine böse absicht ist, sondern eher in Unkenntnis und Künstlerischer Freiheit geschieht.
Ein Beispiel dafür sind auch die Dienstgrade im Bauhaus Sourcebook. Ich könnte mich ja noch mit französischen, russischen oder schwedischen Dienstgraden abfinden. Aber englische Bezeichnungen? Zum alle westlichen dienstgradbezeichnungen aus der französischen ecke entstammen.
Aber vielleicht ist das schon ok. Ich will nicht nörgeln.  Wink

NewChum
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« Reply #6 on: November 29, 2008, 05:03:34 PM »

Auch wenn das Thema schon recht alt is will ich mal meinen Senf dazu geben.

Quote
nun ich habe es als Leibeigene übersetzt. Leibeigene sind keine Sklaven

Naja Leibeigene sind keine Sklaven das stimmt schon aber ihr stand ist auch nur geringfügig besser. Allerdings finde ich im Zeitalter Zeit- und Leiharbeitsfirmen die sache mit den Thrall garnicht mal so weit hergeholt oder schlimm. Ich meine wenn man sich mal anschaut wie bei den Zeitarbeitsfirmen heute die Leute teilweise hin und hergeschoben werden was die Arbeiten müssen bzw für wieiviel etc. Wenn man ein bisschen böse ist kann man das schon entfernt mit dem Leibeigenem Verhältnis im Mittelalter vergleichen.

Oder wenn ich mir die heutige Situation von Assistenz Ärzten anschaue da muss ich ehrlich sagen war das verhältnis von Skalven im Anthiken Rom minimal schlechter. Die wahren halt Gebrauchsgegenstände aber Kostbar, Assistenzärzte gibts wie Sand am Meer.

Mann muss vielleicht auch dazu sagen das Generalregulativ und Bismarcks Sozial Versicherung ganz nett liest aber es bei weitem nicht das wahr was man sich heute in Deutschland unter Staatlicher Rente vorstellt (ich sage das bewusst so da in allen anderen Europäischen Ländern die staatlichen Renten wesentlich niedriger ausfallen) Die Rente damals bestand aus 8 Pfennig und das Reichte für 1 Brot die Woche in Rente konnte man mit 70 Jahren gehen damals wurde allerdings kaum ein Arbeiter so alt und es gab eine art klausel die besagte wer mit 70 noch Arbeiten kann muss Gott dafür Dankbar sein und darf nicht in Rente gehen.
Ich will das jetzt nicht schmälern, allein das Bismarck sowas eingeführt hat ist schon Bahnbrechent gewesen damals und hat den Grudnstein für sämtliche sozial Leistungen gelegt.

Aber ich finde schon das man da gut Parallen zu Bauhaus den Thralls ziehen kann.

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